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Da die NLC-Saison 2004
in wenigen Wochen bereits schon wieder vorüber sein wird, geben wir
hier einige Vorabauszüge aus einem geplanten Bericht wieder:
... In diesem Beitrag gilt es, die Möglichkeit zu prüfen, ob Internet-Echtzeit-Daten von Meßstationen eine Hilfe in der Beobachtungsplanung sein können. ... ... Mit einem Lidar (LIght Detection And Ranging) können NLC direkt detektiert werden. Zu berücksichtigen ist, daß mit einem Lidar gemessene NLC noch nicht zwangsläufig mit bloßem Auge erkennbar sind, da die Größe und Dichte der Partikel dafür noch zu gering sein kann. Für eine visuelle Beobachtung vom Boden aus, sollten die Radien der Eisteilchen größer als ca. 20 nm sein. Von besonderem Interesse sind auch VHF (Very High Frequency)-Radare [z.B. namens ALWIN in Andenes und OSWIN in Kühlungsborn]. Diese sind in den Sommermonaten in der Lage, Echos aus einem Höhenbereich von etwa 82 bis 90 km zu empfangen. Polare Mesosphärische Sommer Echos (PMSE) und NLC werden häufig (aber nicht immer!) gleichzeitig und in gleicher Höhe beobachtet, wobei die Messverfahren (Radar und Lidar) und die jeweiligen Rückstreumechanismen unterschiedlich sind. Bezüglich technischer Einzelheiten und Informationen zu den Forschungsstandorten möchten wir auf das Leibniz-Institut für Atmosphärenphysik e.V. (IAP) und deren Website verweisen [4]. Das IAP ist eine führende Institution in Sachen NLC- und PMSE- bzw. MSE-Forschung mit Sitz in Kühlungsborn an der Ostsee. PMSE treten nur im Sommer und nur in der Nähe der sehr kalten Mesopause mit Temperaturen unterhalb von 150 K auf. Deshalb wurde schon früh vermutet, daß sie im Zusammenhang mit Eisteilchen stehen, die sich in der höheren Atmosphäre nur dort bilden können. Trotz der engen Zusammenhänge ist das Vorhandensein von (P)MSE nicht direkt mit der Existenz von NLC gleichzusetzen. Der mittlere PMSE Tagesgang ist in Andenes / Norwegen durch eine vorherrschende, halbtägige Variation mit Maxima um Mittag und Mitternacht geprägt. Neben dem Einfluß tageszeitlicher Wind- und Temperaturänderungen haben bezüglich der Radarechos auch solare und geomagnetische Aktivität einen wichtigen Einfluss auf die Häufigkeit der PMSE. So ist z.B. das mittlere mitternächtliche PMSE-Maximum wesentlich auf die Ionisationszunahme infolge einfließender Teilchen zurückzuführen. ... ... Erstmals für die NLC-Saison 2003
wurden einige Echtzeitdaten-Links zusammengestellt [5].
Die Hoffnung war, interessierten Amateuren eine Abschätzung zu ermöglichen,
ob es sich z.B. lohnt, in unseren hellen und späten Sommerzeitnächten
noch weiterhin nach NLC Ausschau zu halten, oder doch lieber das Bett aufzusuchen...
... Ein Lidar kann im Höhenbereich
der NLC nur arbeiten, wenn keine tieferen Wolkenschichten stören.
Das RMR Lidar in Andenes auf Andøya ist somit leider wetterabhängig.
Dem IAP in Kühlungsborn steht auch ein Lidar zu Verfügung, aber
es werden keine Daten online veröffentlicht. Die oben genannten VHF-Radare
werden durch gewöhnliche Wolken nicht gestört. Interessant ist,
daß ALWIN und OSWIN in geringem Maße
auch von der Vertikalen abweichend eingestellt messen können. Das
erwähnte RMR Lidar hat die Möglichkeit bis zu 30° abweichend
von der Vertikalen zu messen. Aufgrund der allgemeinen atmosphärischen
Gegebenheiten gilt es zu bedenken, daß z.B. das VHF-Radar ALWIN hoch
oben bei 69° nördlicher Breite öfter Echos registriert, als
das VHF-Radar OSWIN in Kühlungsborn. Sollten ALWIN-Echos dann in Verbindung
mit NLC stehen, kann es natürlich sein, daß wir in unseren Breiten
trotzdem nichts sehen, da die NLC eventuell noch unter unserem Horizont
liegen...
... Konnten bereits Zusammenhänge erkannt werden? Aufgrund der Erdkrümmung können, wie oben erwähnt, mögliche NLC über ALOMAR (dem Standort von ALWIN und dem RMR Lidar) von unseren Breiten aus nicht erkannt werden, sofern sie nicht auch eine erhebliche Ausdehnung nach Süden haben. Das gilt ebenso für das Radar am Standort Kiruna. Das SOUSY-Radar auf Spitzbergen bietet für unsere Zwecke die geringste Aussagekraft. Die Vermutung, daß mit den PMSE in Zusammenhang stehende und von Norddeutschland aus sichtbare NLC, eine kompakte Ausdehnung durchgehend vom Pol her haben, sieht sich anhand verglichener Daten nicht zwingend bestätigt. Es ist nicht generell so, daß von unseren Breiten aus sichtbare NLC gleichzeitig vorhandene, räumlich stark ausgedehnte PMSE im hohen Norden nach sich ziehen. Vom Radar in Esrange / Kiruna liegen z.B. auch Archivdaten zurückliegender Jahre online vor [6]. Der Vergleich von PMSE-Daten mit einigen wenigen von uns beobachteten, älteren NLC-Daten aus Norddeutschland zeigt noch keine zwingende Korrelation, aber wohl Gemeinsamkeiten! Aus der letztjährigen Saison würden sich starke PMSE über Kiruna in der Nacht vom 12. zum 13.07.2003 allerdings gut in die markanten deutschen NLC-Beobachtungen des Abends einfügen lassen. Isoliertes Entstehen von NLC ist durchaus möglich, wenn auch direkt auf unseren Breiten eher gering. Nach dem Prinzip der Perlmutterwolken [7] können Schwerewellen auch in der Mesosphäre für die nötige (lokale) Abkühlung sorgen, welche für die Bildung von NLC notwendig ist. So werden mitunter an den oben genannten skandinavischen Standorten keine NLC und PMSE festgestellt, während NLC-Sichtungen von unseren Breiten aus erfolgen. Es können also durchaus „große Löcher“ zwischen einer polaren mesosphärischen Wolkenkappe und bei uns sichtbaren NLC existieren. Weiterhin besteht folgende Möglichkeit:
In hohen Breiten entstandene NLC, welche mit gleichzeitig gemessenen PMSE
in Zusammenhang stehen, driften südwärts. Über dem Ursprungsort
werden dann nach einiger Zeit keine PMSE mehr registriert, aber die isolierten,
verdrifteten und weiterentwickelten NLC erscheinen bei uns über dem
Horizont, ohne daß wir einen zeitgleichen Zusammenhang erkennen können.
Zu beachten ist aber, daß die Lebensdauer der NLC nicht unbegrenzt
ist (in der Regel bis zu einige Stunden, in denen sich starke Veränderungen
abzeichnen, welche auf hohe Geschwindigkeiten in der Höhe hinweisen).
Damit ist der Nutzen der Daten keinesfalls dahin! 1. Anhand der erstmaligen, kontinuierlichen Verfolgung der Echtzeitdaten in 2003 konnte für uns Amateure die bekannte saisonale Entwicklung der PMSE (und damit auch die NLC-Saison) direkt zeitlich eingegrenzt werden: Von zarten Echos ab Ende Mai bis hin zu immer stärkeren und manchmal nahezu durchgehenden Echos im Juni und Juli. Im August folgte dann ein deutliches Abflauen. Auch Tagesvariationen von PMSE konnten / können verfolgt werden. 2. Näher an den skandinavischen Stationen liegende Standorte sollten sich die Daten zunutze machen können (sofern es noch ausreichend dunkel werden kann)! NLC in 83 km Höhe, die sich gerade am Horizont zeigen, befinden sich in einer Entfernung von gut 1.000 km [Kasten 1]. Einige Dinge, wie eingeschränkte Horizontalsicht durch Geländemarken oder auch Dunst, sollten jedoch noch berücksichtigt werden. Dann müßte es sich lohnen, ab einer Entfernung von ca. 800 km oder weniger zu einer der Stationen, die Daten zu verfolgen. Diese können dann mit eigenen Beobachtungen abgeglichen werden. 3. OSWIN in Kühlungsborn liegt
vor unserer Haustür. Tageszeitlich spätes
bzw. frühes Auftreten von MSE wurde im Jahr 2003 (wie auch in anderen
Jahren) eher selten von dem Radar registriert. Im NLC-Beobachtungszeitfenster
von ca. 21-02 UTC gar nicht. Trotzdem wurden einige wenige Male auch NLC
von Deutschland aus gesichtet. Das ist noch kein Widerspruch. Man muß
bedenken, daß OSWIN nur in Zenitnähe MSE feststellen
kann. Und NLC-Beobachtungen reichen bei uns meist nur bis eine gute Hand
breit über den Horizont. Interessant wird es, wenn wir einmal das
Glück von sehr späten registrierten OSWIN-Echos haben sollten.
Sprich MSE über der Ostseeküste in Höhe 90° über
dem Horizont, am besten im NLC-Beobachtungszeitfenster! Das gilt es in
Zukunft zu verfolgen. So hohe NLC, welche mit den Radarechos in Zusammenhang
stehen könnten, sind in unseren Breiten eine Rarität, aber nicht
unbedingt auszuschließen. Das hat die Beobachtung vom 12./13.07.2003
gezeigt, als in noch sehr heller Dämmerung bereits NLC in großer
Höhe sichtbar geworden sind (an den Beobachtungsorten Lübeck
und Rostock bis mindestens ca. 50° über dem Horizont erkennbar).
Immerhin hat es an diesem Abend auch relativ späte MSE-Messungen durch
OSWIN gegeben (bis ca. 19:20 UTC). Erstmalig im Jahr 2000 wurden auch nachts
MSE beobachtet. Diese ließen sich aber dadurch erklären, daß
zu der Zeit (15. Juli) eine starke geomagnetische Störung auftrat
(zusätzliche Ionisationsquelle durch das Einfließen von Teilchen).
Eine Erwähnung verdient noch die Anti-Korrelation
bezüglich der NLC-Häufigkeit und der Sonnenaktivität. Bisherige
Auswertungen zeigen auf, daß zur Zeit eines Sonnenfleckenmaximums
das Auftreten (insbesondere stärkerer) NLC geringer ist, als zu Zeiten
eines Sonnenfleckenminimums [u.a. 8]. Hier ist zusätzlich
auch eine ein- bis zweijährige Verspätungsrate in der Diskussion.
Wer sich für die Geschichte der leuchtenden
Nachtwolken interessiert, dem sei [10] empfohlen.
Das Buch enthält u.a. Informationen über den Ausbruch des Vulkan
Krakatau im Jahre 1883. Der Hauptteil widmet sich den Arbeiten von Otto
Jesse (1838-1901), der sich in besonderem Maße der Erforschung der
leuchtenden Nachtwolken gewidmet hat. Insbesondere die Wiedergabe seiner
Veröffentlichungen aus diversen naturwissenschaftlichen Schriften
erscheint interessant, da man seine ersten Schritte und die Beobachtungen
jener Zeit nachempfinden kann. (Teile des Buches sind in englischer Sprache.)
Von Beobachtungsorten auf 54°N im
Bereich Lübeck / Rostock liegt somit der Grenzbereich der Erkennbarkeit
von NLC in:
An diesen Orten würden sich die NLC
bis in Zenithöhe befinden. Zu den erwähnten Meßstationen
in Nordskandinavien trennen uns von dort aber mindestens weitere ca. 700
bis über 1000 km !
Literaturhinweise und Internetadressen: [4]
http://www.iap-kborn.de/
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©2004 Stephan BRÜGGER / Olaf SQUARRA
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