Was werden wir verlieren?

Pro und Contra zum Bürgerentscheid "Sind Sie für eine Landgewinnung durch eine Verbindung der beiden Inselteile Helgolands?".
Antworten
Benutzeravatar
Thorsten Falke
Administrator
Beiträge: 834
Registriert: Fr 6. Mär 2009, 00:51
Kontaktdaten:

Was werden wir verlieren?

Beitrag von Thorsten Falke » Mi 8. Jun 2011, 22:18

Hallo, Befürworter und Gegner der Verbindung der beiden Inselteile!
Die Landverbindung ist im Regionalen Entwicklungskonzept eng mit dem Ende der Börte verbunden. Denn in der bisherigen Planung sieht es wohl so aus, dass gleichzeitig mit der Landverbindung auch eine Gelegenheit geschaffen wird, dass die Helgoland anlaufenden Schiffe an einer Art verlängerten Landungsbrücke festmachen sollen (oder wie auch immer das realisiert werden soll).
Überall auf der Welt wird von "Alleinstellungsmerkmal" geredet und wenn man so ein Alleinstrellungsmerkmal hat, dann ist man fein raus. Aber Helgoland war ja schon immer anders. Viele wollen die Börte am Ende sehen, sei es, weil die Kapitäne auch langsam in Rente gehen, sei es, weil das Prinzip Börte veraltet sei und man die Kreuzfahrtschiffe nur nach Hhelgoland bekommt, wenn die an einer Mole festmachen können.
Die Börte ist das Alleinstellungsmerkmal überhaupt. Einmalig in Europa, wenn nicht auf der Welt. Was wollen wir mit modernen Hafenanlagen? Die gibt es überall auf der Welt. Was finden dann die Leute interessant? Eine weitere Hafenanlage die aussieht, wie jede andere Hafenanlage zwischen Helgoland und Honululu?
Ich sehe eher touristisches Potential darin, dass man die Tradtionen aufrecht erhält, so dass der Gast aus seiner modernen Welt entfliehen kann und er das Gefühl hat, eine Reise in die Vergangenheit zu machen. Auf Helgoland ist es noch so wie früher. Da ist die Zeit stehen geblieben. Darin steckt touristisches Potential. Das der Gast in kleine Hotels oder Privat-Pensionen geht und über die Jahre freundschaftliche Beziehungen zu seinem Gastgeber aufbaut. Und der Gastgeber sich freut, "so einen guten Stamm" zu haben. Stelle man sich mal vor, dass es so kommt, wie die Befürworter es sich erhoffen. 12 Monate im Jahr Tourismus bis zum Abwinken. Wollen wir das wirklich?
Wollen wir die Börte aufgeben? Sollen Joschi, Klaus Köhn, Berni, Heino, Klaus, Molli, Alex, Klaus, Günter, Eva, Sven, Henning, Sascha, Kai, Karl-Heinz...... arbeitslos werden? Soll es keine Dünenfähre mehr geben?
Fragen, Fragen, Fragen!
Wird die Landgewinnung uns mehr Lebensqualität bringen?
Liebe Grüße
Thorsten

rob
Beiträge: 3
Registriert: Di 31. Mai 2011, 08:52
Kontaktdaten:

Was ich immernoch nicht ganz verstehe...

Beitrag von rob » Fr 10. Jun 2011, 13:50

Ich finde es großartig, dass Thorsten hier so engagiert ist und hoffe insgeheim, dass der Großteil der Helgoländer einer Inselverbindung kritisch gegenüber steht und sie bei dem schönen Wetter einfach zu schreibfaul sind, dazu Stellung zu beziehen. Eigentlich schade, denn dann liest man als Außenstehender nur die "öffentliche" Meinung in lacierten Artikeln und Promoflyern der Bauindustrie. Nervig ist dabei, dass In den Artikeln und Interviews immer wieder von Helgolands IMAGE als Fusel- und Zigarettenfelsens die Rede ist und dafür als einzige Lösung nur die Landerweiterung präsentiert wird, mit ähhhhhhhhh

- noch mehr Hotels
- einem größeren Hafen
- einem größeren Flughafen
- "Platz für Projekte der Offshoreindustrie"
- und aber natürlich auch mehr ähh Umweltfläche und so

Ich glaube, so ein Insel-IMAGE lässt sich sehr schwer über Nacht beeinflussen. Das baut sich über die Jahren auf, in den Köpfen aller Gäste, die die Insel bereist haben und ihre Erlebnisse weitergeben, davon dem Nachbarn erzählen, Fotos machen, Postkarten schreiben etc.. Man kann sicher im gewissen Maße mit Werbung und Mediengetöse dagegen angehen um neue Gäste mit tollen Slogans zu locken - was aber bleibt und über einen zweiten oder längeren Besuch entscheidet ist nicht die bunte Broschüre, sondern der persönliche Eindruck, den man als Gast wieder von der Insel mit nach Hause nimmt. Und ich frage mich, wenn ich diese Artikel lesen: Welchen Eindruck werden die Gäste in Zukunft mitnehmen - welches Image strebt Helgoland momentan für die nächsten Jahre an? Wie lauten die neuen Slogans der Tourismusverwaltung?

Helgoland:

Der Ruhepol mit der ganzjährigen Großbaustelle!
Die urwüchsige Felsenküste mit dem verlängerten Hotelstrand?
Das fragile, einst reiche Unterwasser-Ökosystem - nun neu mit dem großem Hafen und rummeligen Kreuzfahrtschiffen!
Der Luftkurot mit dem gesteigerten Flugverkehr und der tollen großen Landebahn, die noch dazu Inselteile unzugänglich macht!
Der Erholungsort mit der grandiosen Nähe zu Offshoretestanlagen und dem gesteigertem Industrietransfer über den tollen großen Hafen und Flughafen!
Die Insel die jetzt auch mehr ähhh "Natur"fläche im Schatten des neuen Hotelstrandes hat?
Die Insel auf der vor den Baumaßnahmen mal Kegelrobben, Seehunde und seltene Vögel zu beobachten waren.
Die Insel die ihre natürlichen Schätze gegen den Gewinn von Einzelnen eintauschte...

Fusel und KippenImage wird man doch nur los, indem man die Überpräsenz an Fusel und Kippen los wird, so einfach ist das! Und Ruhe- und Erholungort wird man, indem es da ruhig ist und man sich abseits aller Verkehrsaufkommen und Industrieanlagen auch erholen kann. Ich versteh einfach den alltäglichen Mehrwert für den Urlauber (und Insulaner) dieser Inselverbindung nicht! In den letzten Jahren zeichnete sich doch schon eine positive Entwicklung des neuen Insel-IMAGES ab.

HELGOLAND => ZUFLUCHT / RUHE / ABGESCHIEDENHEIT / SELTENE NATUR / WISSENSCHAFTSSTANDORT / LANGZEITURLAUBSGEBIET - warum kommen denn jetzt auch im Winter wenn die meisten Geschäfte zu sind, jedes Jahr mehr Menschen und bleiben länger? Weil man auf der Insel noch Dinge findet die anderso längst verschwunden sind. Diesen raren, dem Anwohner vor Ort langweilig erscheinenden weil immer präsenten, Elemente sollte man vertrauen und man sollte sie wo es geht bewahren. Die ersten Touristen vor über hundert Jahren kamen wegen der guten Seeluft, dem Gaudi einer stürmischen Seefahrt, der Nähe zu Allerlei seltenem Gethier und vor allem der Ruhe und Einsamkeit der Insel selbst. Ich und viele Andere komme heute noch aus genau den gleichen Gründen. All diese, demnächst wieder zugkräftigen, "Alleinstellungsmerkmale" verspielt man ganz sicher auf lange Sicht, wenn man dem Allheilmittel "Landerweiterung" Glauben schenkt.

Ilka
Beiträge: 149
Registriert: Mi 11. Mär 2009, 12:49
Kontaktdaten:

Re: Was werden wir verlieren?

Beitrag von Ilka » Di 21. Jun 2011, 09:42

Heute ist ein großer Artikel im "Weserkurier" , die Tageszeitung aus Bremen.
Die schöne Grafik, die dabei war fehlt im Internet wieder (oder ich bin zu :? )

http://www.weser-kurier.de/Artikel/Regi ... nd-ab.html

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast