Nun haben wir den Salat

Pro und Contra zum Bürgerentscheid "Sind Sie für eine Landgewinnung durch eine Verbindung der beiden Inselteile Helgolands?".
Antworten
Benutzeravatar
Thorsten Falke
Administrator
Beiträge: 845
Registriert: Fr 6. Mär 2009, 00:51
Kontaktdaten:

Nun haben wir den Salat

Beitrag von Thorsten Falke » Do 26. Mai 2011, 17:10

Hallo!
Da die Helgoländer Gemeindevertretung sich nicht selber entscheiden konnte, so hat sie uns diesen Bürgerentscheid aufgezwungen. Wir sollen abstimmen, ob wir eine Landgewinnung zwischen den beiden Inselteilen Helgolands haben wollen.
Ich bin mir aber nicht sicher, ob sich die Gemeindevertretung überhaupt im Klaren ist, was sie das angezettelt haben. So nach offizieller Lesart entnehme ich der Absicht dieses Bürgerntscheids auszuloten, ob eine Mehrheit der Helgoländer überhaupt für eine Landgewinnung ist. Sollte eine Mehrheit des gemeinen Wahlviehs für eine Landgewinnung stimmen, dann erst will die Gemeindevertetung entsprechende Gutachten über die Kosten, Dauer der Baumaßnahme und all so einen Krams erstellen lassen. Und meiner Meinung nach wollen Sie uns dann eventuell mitteilen, dass das alles viel zu teuer sei und nicht machbar ist. Da ist aber der Haken an der ganzen Geschichte. Sollte eine Mehrheit für die Landgewinnung sein, dann hat die Gemeindevertretung gar keine andere Wahl mehr, dann hat sie die Landgewinnung durchzuführen, da so ein Bürgerentscheid rechtsgültig ist.
Nun denn, was weiß ich über die Landgewinnung?
NICHTS!
Es wird in der Begründung zum Bürgerentscheid keine, nichts, nada, njet, neä, Information gegeben, wie groß die Landgewinnung werden soll, wo die Landgewinnung gemacht werden soll, wer das alles bezahlen soll, ob das Umweltverträglich ist undsoweiter undsofort. Nichts. Wir sollen über ein Luftschloss abstimmen. Mir gefällt das nicht, das sind nicht nur wenig Informationen, das sind gar keine Informationen. Genau genommen stimmen wir also über nichts ab. Meiner Meinung nach wollte die Gemeindvertretung eine Meinungsumfrage zum Thema Landgewinnung, weil sie nicht einfach so die teuren Gutachten erstellen lassen wollten und hinterher will keiner die Landgewinnung haben und das Geld für die Gutachten wäre zum Fenster hinaus geworfen. Jetzt haben sie einen Bürgerentscheid in Gang gesetzt, dessen Resultat Rechtsverbindlichkeit besitzt und da kann dann keiner mehr von zurück. Ob ja oder nein die Mehrheit bekommt.
Ich werde aber auf jeden Fall meine Stimme beim Bürgerentscheid abgeben. Und da mir absolut keine Informationen vorliegen, werde ich mit nein stimmen, da ich nicht die Katze im Sack wähle.
Liebe Grüße
Thorsten

CoCo
Beiträge: 263
Registriert: So 7. Mär 2010, 17:38
Kontaktdaten:

Re: Nun haben wir den Salat

Beitrag von CoCo » Do 26. Mai 2011, 19:43

Halli Hallo!
Sehe das auch eher kritisch...
Die Überfahrten zur Düne machen doch auch einen Teil des Charmes von Helgoland aus! Mich hat schon die Anschaffung der "Witte Kliff" gestört, weil mir die Überfahrten im Börteboot viel besser gefallen haben!
Helgoland ist eben kein Malle!
Damit liebe Grüße

dickerseebaer
Beiträge: 2
Registriert: Mo 9. Mär 2009, 21:47
Kontaktdaten:

Re: Nun haben wir den Salat

Beitrag von dickerseebaer » Do 26. Mai 2011, 20:34

Wenn die Bürger über die Möglichkeit einer Landverbindung abstimmen können, dann werden mit Sicherheit auch die weiteren und genaueren Pläne nicht enfach über die Köpfe der Bewohner hin weg entschieden.
Ein JA zur Inselverbindung bedeutet ein JA zur Zukunft der Insel.

Ronnie
Beiträge: 24
Registriert: Do 15. Okt 2009, 11:08
Kontaktdaten:

Re: Nun haben wir den Salat

Beitrag von Ronnie » Do 26. Mai 2011, 21:01

Moin aus Bremen!
Als langjähriger "Kurgast" :roll: (47 J., seit 1970 im wieder auf der Insel; Himmelfahrt wieder!) und als "gerade wieder gewählt habender Bremer", kann ich nur sagen: "GEHT WÄHLEN!!!!!!"
Wer nicht seine Meinung in die Urne geworfen hat, kann hinterher nicht maulen!
Durch unser neues Wahlrecht sind z.B. von den hinteren Kandidatenlisten Leute auf die ersten Plätze gewählt worden.

Leider haben sich die Ansprüche der Kurgäste, nein sicherlich auch der HelgoländerInnen sehr gewandelt.
1970 nur Waschbecken im Zimmer, zum Duschen 2x/Wo. ins Schwimmbad... das hat gereicht!
Nur heute nicht. Täglich duschen muß sein.... oder?

Dass Ihr keine konkrete Zahlen, Fakten und Daten vorliegen habt, ist natürlich bedenklich.

Als Bewohner eines strukturschwachen Bundeslandes, kann ich nur sagen: Sucht Euch neue Standbeine!
Ich denke da an die z.B. Offshore-Technik, Kreuzfahrt-Touris usw.
Und wenn für diese Projekte mehr Platz gebraucht wird, dann tut es...

Ich bleibe Euch treu! So oder so!

Bis Himmelfahrt! ;)
Ronnie

Tim
Beiträge: 32
Registriert: So 8. Mär 2009, 22:10
Kontaktdaten:

Re: Nun haben wir den Salat

Beitrag von Tim » Do 26. Mai 2011, 21:19

Schöner Beitrag, Ronnie!

helgowidi
Beiträge: 7
Registriert: Mo 16. Mär 2009, 14:22
Kontaktdaten:

Re: Nun haben wir den Salat

Beitrag von helgowidi » Fr 27. Mai 2011, 13:30

"ja zur zukunft helgolands" bedeutet für mich ein ganz klares "NEIN" zum wolkenkuckucksheim "landanbindung.
unsere zukunft liegt eher in der bewältigung und bearbeitung der akuten problemfälle auf der insel

rob
Beiträge: 3
Registriert: Di 31. Mai 2011, 08:52
Kontaktdaten:

Re: Nun haben wir den Salat

Beitrag von rob » Sa 4. Jun 2011, 14:35

Das Schema ist doch stets das gleiche:

Eine Alm in den Bergen, das Fischerdorf am Strand, kurz: ein charmantes Fleckchen Erde mit einer natürlichen Anziehungkraft....

#1 zieht eine gewisse Zahl an Touristen an und ermöglicht den Bewohnern ein (mal mehr, mal weniger) gutes Auskommen
#2 externe Investoren stolpern über den Ort mit dem verschlafenen Charme und versprechen mit Hilfe einer Menge bunter Grafiken, funkelnde Visionen und hohe Gewinne für jeden Einzelnen
"es muss sich mal was tun, da kann man doch was machen, hier ist doch Potential, da habe alle hier eine neue Chance! hier kommt bald gar keiner, man muss doch konkurrenzfähig bleiben, sich weiterentwickeln.... usw. usw...." sind die immer gleichen Versatzstücke ihrer Argumentation deren einzige Lösung die, von ihnen gleich mit angebotene, ENTWICKLUNG ist.
#3 es gibt eine Menge Hin&Her in der Gemeinde, die Einen plädieren für Fortschritt und Wechsel, die Anderen sind eigentlich ganz zufrieden, schielen aber nach dem versprochenen Mehrgewinn, lokale Politiker können sich den Fortschrittsargumenten nicht verschließen, wenn doch hilft oft die ein oder andere "Aufmerksamkeit", kritische Stimmen gehen im Gewirr schnell unter, denn sie haben nicht so schöne Grafiken, sondern nur affektive Bedenken, die sie oft nicht belegen können.
#4 es wird INVESTIERT. Ein Baumboom setzt ein, viel Erde wird bewegt, viel Beton verfüllt. Der natürliche Flecken wird parzelliert und mit einer guten Infrastruktur versehen.
#5 Der natürliche Charme des Fleckens ist zerstört, was bleibt ist eine austauschbare Ferienlandschaft die keinerlei individuelle Anziehungskraft mehr ausübt.

Enttäuschung 1: Die neuen Arbeitsplätze werden nicht von Mitgliedern der Gemeinde, sondern durch "Fachleute" aus den Firmen der Investoren belegt.
Enttäuschung 2: Alles kostest 3 Mal soviel wie vorher angesagt. Das bedeutet Mehrkosten für die Gemeinde oder längere Verschuldung beim Investor.
Enttäuschung 3: Alles dauert länger, erst nach Baubeginn werden die wahren, technischen Probleme der Entwicklung bekannt.
=> nachhaltige Zerstörung des natürlichen Ökosystemes, erschwerte Baubedingungen durch Stein-, Moor-, Sanduntergrund, Abreißen natürlicher Strömungen, Flüße, Winde, Wasserkreisläufe dadurch Verschlechterung der natürlichen Erholungsbedingungen - Fäulniss, Brackwasser, stickige Luft...
Enttäuschung 4: Als Alles fertig ist, gibt es so viel Betten dass der Konkurrenzdruck die Preise nach unten zieht => die lokalen Bettenanbieter verdienen im Schnitt WENIGER als vor der Investition!
Enttäuschung 5: Nach einer ersten Welle von Billigtouristen ebbt der Tourismus stark ab, da der Ort keinerelei natürliche Anziehungskraft mehr versprüht und sich in keiner Weise von vergleichbaren "Investitionen" unterscheidet.

Bilanz:
Einzige Gewinner einer solchen ENTWICKLUNG sind die externen Investoren selbst und nicht die lokale Bevölkerung. Die wird sich Jahre danach, teils hoch verschuldet, mit einer verschandelten Landschaft und noch geringerem Tourismus abfinden müssen! Folge vor Ort: Verarmung, Frust, hässliche Umgebung.

Wem das jetzt zu polemisch erscheint, braucht nur etwa 10 Minuten seiner Zeit auf eine Googlesuche verwenden und wird bei Begriffen wie "Bauboom Folgen Baumafia Gewinner Verlierer Küste..." die immer gleiche Geschichte finden.

Ganz Spanien (Dorf für Dorf) ist dem Irrglaube zum Opfer gefallen dass durch mehr Hotels und Häuser auch mehr Leute kommen und mehr Gewinn erwirtschaftet werden kann. (Und brennt die Sonne das ganze Jahr!) Die Folge sind nun Rezession, verschandelte Küste, zerstörte Dorfidyllen und eine Menge geplatzter Träume. Auch ist es äußerst spannend zu sehen, wie Prestigeobjekte (z.Bsp. the palm, the world in dubai) mit unvorhersehbaren, natürlichen Problemen (kaputtes Riff, keine Wasserzirkulation, es STINKT gewaltig) und bewusster Fehlinformation durch die Entwickler (ausbleibende Finanzierung, kein Investoreninteresse, zu starke Parzellierung, ungelöste Müll und Transportprobleme etc.) zu kämpfen hat

Ich wünsche mir so sehr, dass sich die Helgoländer ihrer goldenen Gans bewusst sind und sie nicht für ein paar bunte Grafiken und sogenannte "Visionen" hinweg schlachten. Für mich persönlich liegt der Charme der Insel gerade darin, dass die Uhren dort ein bißchen langsamer gehen, der Zugang zur Düne ein bißchen beschwerlicher ist und dass ich dort eben nicht aller paar Meter einen Latte Macchiato oder eine ganzheitliche Wellnessmassage mit Begrüßungssekt angeboten bekomme.

Ein Langzeiturlauber

rob
Beiträge: 3
Registriert: Di 31. Mai 2011, 08:52
Kontaktdaten:

Re: Nun haben wir den Salat

Beitrag von rob » Sa 4. Jun 2011, 15:01

und wer gerade keine Zeit zum googeln hat, hier ein paar willkürliche Treffer zum Thema:

Fünf Millionen Dollar in den Sand gesetzte
http://www.spiegel.de/wirtschaft/untern ... 47,00.html

..der submarine Lebensraum in den warmen, flachen Wassern des Golfs ist durch die Bauarbeiten nachhaltig geschädigt...
http://www.weltdeswohnens.de/bauen-kauf ... -palm.html

..Während die Presse von einer regelrechten Bauwut spricht, fragen sich Experten, wie dieser ganze Wohnraum belegt werden soll..
http://www.focus.de/reisen/urlaubstipps ... 18736.html

Ilka
Beiträge: 149
Registriert: Mi 11. Mär 2009, 12:49
Kontaktdaten:

Re: Nun haben wir den Salat

Beitrag von Ilka » Mo 6. Jun 2011, 12:04

Danke rob!
Treffender und realistischer kann man die Bedenken nicht aufzeigen.
Da ist die kleine Erweiterung an der Brücke doch eine vernünftigere Alternative.
Schade, dass Freunde der Insel, Urlauber und fern der Heimat wohnende Helgoländer nicht mit befragt werden.

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast