Heutzutage höhere Wellen als früher? (Bei gleichem Wind)

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Helgoländer Wetter
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Heutzutage höhere Wellen als früher? (Bei gleichem Wind)

Beitrag von Helgoländer Wetter » Fr 8. Mär 2019, 18:59

Mein persönliches Empfinden:
"Wenn man heutzutage bei Windstärke X (z. B. Bft 6) zwischen Festland und Helgoland fährt, ist der Seegang immer häufiger so, wie vor 25 Jahren bei Windstärke X+1 (z. B. Bft 7)".
Ohne dass ich darüber gesprochen habe, hat ein Beschäftigter einer Reederei übrigens mal ein ähnliches Empfinden geäußert und einen Zusammenhang mit dem Klimawandel vermutet.
Beispiel im Klartext: Ist es früher nicht seltener vorgekommen als heutzutage, dass bei Windstärke 6 (Mittelwind) signifikante Wellenhöhen von nahe 3,5 m gemessen wurden? Immerhin muss man dann mit einzelnen 6-7 m hohen Wellen rechnen.

Ich habe den Eindruck unter anderem auch aufgrund der subjektiven Wahrnehmungen vom Seegang und Wellenbild früher und heute. Auf die Wettertelegramme und BSH-Karten könnte man sich zwar auch stützen, jedoch muss man dabei berücksichtigen, dass man Windstärken und signifikante Wellenhöhen heutzutage treffsicherer vorhersagen kann als früher. Außerdem habe ich den Eindruck, dass man heutzutage bei ganz bestimmten Wetterlagen (vielleicht aufgrund der Gefahr von Monsterwellen/Riesen-Waves) lieber die Seegangsprognosen tendenziell etwas nach oben verändert.

Frage nach Ihren/Euren Meinungen?
Hat jemand eine ähnliche Meinung wie ich oder liege ich doch daneben? Gibt es tatsächlich bei gleicher Windstärke öfters mehr Seegang als früher?


Viele Grüße aus Nordrhein Westfalen!

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Thorsten Falke
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Re: Heutzutage höhere Wellen als früher? (Bei gleichem Wind)

Beitrag von Thorsten Falke » So 10. Mär 2019, 07:22

Hallo Helgoländer Wetter!
Da bist Du auf dem falschen Dampfer! Die Entstehung von Wellen ist ein komplexer, physikalischer Prozess. Beginnend mit der von Dir genannten Windstärke 6. Da reicht die Skala von 39 - 49 km/h. War an dem Tag, an dem Du gefahren bist, vorher 3 Tage orkanartiger Sturm und es war im Abflauen begriffen, so dass noch "Rest-Seegang" vorhanden war? Wie waren die Strömungsverhältnisse (Ebbe, Flut), wie war die Windrichtung? In der Deutschen Bucht gibt Ost 6 andere Wellenhöhen als Nord 6. Nach meinem Dafürhalten ist es wissenschaftlich unkorrekt, einfach Windstärke mit Windstärke zu vergleichen. Und mein Bauchgefühl, Du nennst es subjektive Wahrnehmung, sagt mir, das bei 100% gleichen Vorausetzungen wie vor 25 Jahren die signifikante Wellenhöhe gleich ist.
Liebe Grüße
Thorsten

Helgoländer Wetter
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Re: Heutzutage höhere Wellen als früher? (Bei gleichem Wind)

Beitrag von Helgoländer Wetter » So 10. Mär 2019, 10:44

Thorsten Falke hat geschrieben:Hallo Helgoländer Wetter!
Da bist Du auf dem falschen Dampfer! Die Entstehung von Wellen ist ein komplexer, physikalischer Prozess. Beginnend mit der von Dir genannten Windstärke 6. Da reicht die Skala von 39 - 49 km/h. War an dem Tag, an dem Du gefahren bist, vorher 3 Tage orkanartiger Sturm und es war im Abflauen begriffen, so dass noch "Rest-Seegang" vorhanden war? Wie waren die Strömungsverhältnisse (Ebbe, Flut), wie war die Windrichtung? In der Deutschen Bucht gibt Ost 6 andere Wellenhöhen als Nord 6. Nach meinem Dafürhalten ist es wissenschaftlich unkorrekt, einfach Windstärke mit Windstärke zu vergleichen. Und mein Bauchgefühl, Du nennst es subjektive Wahrnehmung, sagt mir, das bei 100% gleichen Vorausetzungen wie vor 25 Jahren die signifikante Wellenhöhe gleich ist.
Liebe Grüße
Thorsten
Danke, Thorsten, für Deine Aufklärung und Deine Einschätzung!

Die Einflussgrößen Windrichtung, Wetter der vergangenen Tage und Stunden, Gezeitenstrom usw. waren mir auch aus eigenen Erfahrungen prinzipiell klar. Es fehlen mir aber natürlich umfangreiche Detail-Kenntnisse und die Regelmäßigkeit der Erfahrungen, da ich mich ausschließlich hobbymäßig und eher oberflächlich damit beschäftige. Umso mehr freue ich mich über Deinen Beitrag.

Wenn Du richtig liegst (und davon gehe ich aus), dass sich die Wellenhöhe bei 100% gleichen Voraussetzungen in den letzten Jahren nicht verändert hat, dann bliebe immerhin noch folgende Möglichkeit:
"Bestimmte Wetterlagen, bei denen die mittleren Windstärken zwar nur zwischen 5 und 7 liegen, der Seegang aber trotzdem ungewöhnlich stark ist, könnten in den letzten Jahren tendenziell häufiger geworden sein." Oder trügt mich auch hier meine Wahrnehmung?

Viele Grüße aus Nordrhein-Westfalen!

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Thorsten Falke
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Re: Heutzutage höhere Wellen als früher? (Bei gleichem Wind)

Beitrag von Thorsten Falke » So 10. Mär 2019, 18:20

Hallo Helgoländer Wetter!
"Bestimmte Wetterlagen, bei denen die mittleren Windstärken zwar nur zwischen 5 und 7 liegen, der Seegang aber trotzdem ungewöhnlich stark ist, könnten in den letzten Jahren tendenziell häufiger geworden sein." Oder trügt mich auch hier meine Wahrnehmung?

Viele Grüße aus Nordrhein-Westfalen!

Wie möchtest Du den von Dir angenommenen ungewöhnlich starken Seegang für bestimmte Wetterlagen denn feststellen? Wie oben: gleiche Voraussetzungen, gleiches Ergebnis!
Ich habe den Eindruck, Du möchtest eine Bestätigung, das heutzutage die Wellen höher sind als früher. Die werden aber nicht einfach höher bei gleichen Eingangsvoraussetzungen. Da solltest Du Dich von trennen. Änderst Du die Eingangsvoraussetzungen dahingehend, dass die mittlere Windstärke beständig zugenommen hat, dann kann man daraus ableiten, dass auch die Wellenhöhe zugenommen hat. Und dann überlege, wie oft Du im von Dir genannten Zeitraum eine Fahrt nach Helgoland gemacht hast? einmal, zweimal, dreimal jährlich? Anhand dieser dürftigen Daten möchtest Du etwas ableiten? In der Wissenschaft heißt so etwas wohl: keine genaue Aussage möglich, wegen zu geringer Daten.
Liebe Grüße
Thorsten

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Re: Heutzutage höhere Wellen als früher? (Bei gleichem Wind)

Beitrag von Helgoländer Wetter » Mo 11. Mär 2019, 21:37

Hallo Thorsten,
da sind wir doch prinzipiell einer Meinung: Wenn die Voraussetzungen zu 100% gleich sind, ist auch die Wellenhöhe gleich, früher wie heute! :)

Das Problem:
Es gibt aber Voraussetzungen (Einflussgrößen), die sich über Jahre hinaus langfristig ändern können, z. B. durch
- Anstieg des Meeresspiegels,
- Erhöhung der durchschnittlichen Wasser- und Lufttemperatur,
- Änderung von Luft- und Wasserzirkulation (beispielsweise stärkerer/schwächerer Einfluss des Atlantikstromes auf die Deutsche Bucht),
- häufigeres/selteneres Auftreten bestimmter Großwetterlagen (Kann z. B. dazu führen, dass Süd/Südost 6 seltener und West/Südwest 6 häufiger oder ausdauernder auftritt!)

Thorsten, ich gebe Dir völlig recht: Meine Vermutung kann ich viel zu wenig untermauern. :oops: Allerdings haben vermutlich auch Klimaforscher das Problem, dass ihnen wahrscheinlich zuverlässige Daten fehlen würden, um meiner vagen These zuzustimmen oder widersprechen zu können. Dazu kommt, dass Wellenhöhen früher nur von Seeleuten geschätzt wurden und die Messdaten von heute so flächendeckend, lückenlos und zuverlässig auch immer noch nicht sind.

Aus diesem Grunde habe ich einfach mal so ins Forum gefragt, wie Einschätzung und Bauchgefühl zu diesem Thema so sind. Zwei Einschätzungen (nämlich die von Thorsten und die von mir) liegen nun vor. :)

Viele Grüße aus Nordrhein-Westfalen!

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