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Fahrten nach Helgoland; Aufräumen mit Vorurteilen

Verfasst: Fr 15. Feb 2019, 00:57
von Helgoländer Wetter
Wenn ich anderen erzähle, wie gerne ich öfters mal nach Helgoland fahre, werde ich immer als erstes gefragt, ob ich immer Schnaps mitbringe und während der Schiff-Fahrt die Möwen füttern muss. Das sind offenbar die Vorurteile, die sich jahrzehntelang durch mündliche Überlieferungen (mit Übertreibungen) in den Köpfen halten. Ich stelle dann meistens richtig:

1) Ich stelle klar: Mich reizt an Helgoland vor allem die gefühlte Abgeschiedenheit, der Blick auf das endlos weite Meer, die frische Seeluft und das maritime Klima, vor allem bei wechselhaftem Wetter und starkem Nordwest-, West- oder Südwestwind. Da macht bloßes Spazierengehen schon Spaß.

2) Ich erzähle wahrheitsgemäß, dass ich mir absichtlich immer Tage aussuche, an denen eine mittlere Windstärke von 6-7 herrscht und dann oft das Schiff aus Cuxhaven die einzige Schiffsverbindung zwischen Festland und Helgoland darstellt. Man ist fast schon enttäuscht, wenn ich (ebenso wie die meisten Fahrgäste) trotzdem bei bald 50 Helgolandfahrten von keiner selbst erlittenen Seekrankheit berichten kann, obwohl ich sonst eher zu den empfindlicheren Personen gehöre und beispielsweise auch auf der Kirmes Angst vor einigen Fahrgeschäften habe. (OK, bei einer Überfahrt mit MS Seute Deern Mitte der 90er-Jahre bei NW 8, Böen 10 wäre es fast passiert, obwohl ich mir das schöne Schiff und seine Zuverlässigkeit manchmal zurücksehne.)

3) Ich kläre immer alle auf, dass die Schiffe seit einigen Jahren (zum Leidwesen der Einheimischen und einiger Stammfahrgäste) bei rauer See zunehmend überhaupt nicht mehr fahren, aber (unabhängig davon) an schätzungsweise 95 % aller Tage ohnehin kein stärkeres Schaukeln zu erwarten ist und somit weitaus die meisten Helgoland-Touristen nicht im mindesten etwas mit Seekrankheit zu tun bekommen. Und denen, die immer noch Angst vor Seekrankheit haben, erkläre ich, wie man die ganz wenigen Tage mit stärkerem Seegang auch ohne ausgiebiges Wetterstudium und ohne Rückfrage bei den Reedereien erkennen kann, nämlich zum Beispiel am Vorabend an den ersten wetterbedingten Fahrplanänderungen (Vorverlegung der Rückfahrt oder Absagen), die man per Internet, notfalls aber auch noch während der Auto- oder Bahnfahrt per Telefon-Ansage abrufen kann.

4) Manche haben auch das Vorurteil, dass man auf Helgoland wie in einer engen Gefängniszelle lebt. Solche Personen sind dann sehr erstaunt, wenn ich ihnen von einem mehr als nur einstündigen (romantischen) Rundweg zwischen Südhafen und "Langer Anna" erzähle oder von der Vielzahl an Restaurants, von denen man teilweise auch herrliche Blicke aufs Meer genießen kann.

Fazit: Manchmal ist es schwer, anderen Menschen gut zu erklären, was den besonderen Reiz von Helgoland ausmacht. Und Horror-Geschichten von Schiffspassagieren, die vor 30-40 Jahren mal bei Windstärke 11 und zehn Meter hohen Wellen unter qualvoller Seekrankheit gelitten haben, werden immer noch weiter erzählt und halten sich hartnäckig in den Köpfen.

Viele Grüße aus Nordrhein Westfalen! (Korrigiert am 15.02.2019 gegen 17.30 Uhr)