Helgolands Sternenhimmel
Juni 2002

Gern werde ich mit einem freundlichen:“ Hallo! Was sagen die Sterne?“ auf unserer schönen Insel begrüßt. Hierüber freue ich mich, ist es doch ein Zeichen, dass meine kleinen Sternenartikel einen gewissen Anklang finden. Deshalb hier nun die Antwort auf Ihre Frage: Die Sterne sagen:“ BLUBB“!
Spaß beiseite: Die Sonnenforscher, und unsere Sonne ist ja ein Stern, haben festgestellt: ein Stern wie unsere Sonne besteht hauptsächlich aus dem Gas Wasserstoff. So wie sich bei uns auf Helgoland die Schallwellen durch das Gasgemisch „Luft“ fortpflanzen, können sich auf der Sonne die Schallwellen durch den Wasserstoff fortpflanzen.
Die Entstehung der Schallwellen auf der Sonne kann man sich ungefähr so vorstellen, als bringe man für die Zubereitung der Sonntagsfrühstückseier einen Topf voll Wasser zum Kochen. Es steigen heiße Blasen auf, die mit einem „Blubb“ an der Oberfläche zerplatzen. Beobachtet man einen einzelnen „Blubb“ genau, kann man sehen, wie sich kreisförmig Wellenberge von ihm entfernen, ähnlich als wenn man einen Stein ins Wasser wirft.
Nun köchelt unsere Sonne nicht so vor sich hin und es ist auch niemand da, der mit Steinen um sich wirft. Doch im Innern der Sonne herrschen Temperaturen von mehreren Millionen Grad und es steigen gewaltige heiße Blasen an die Sonnenoberfläche. Durch das Weltall aber, in dem nahezu ein Vakuum herrscht, können Schallwellen sich nicht fortpflanzen. Die Sonnenforscher verfolgen deshalb mittels spezieller Messapparate auf dem Sonnenforschungssatelliten SOHO (SOLAR AND HELIOSPHERIC OBSERVATORY) die Höhe und Bewegungsrichtung der entstehenden Wellenberge, die bis zu 2 Kilometer hoch werden. Diese Wellenberge wandern um die ganze Sonne und teils quer durch sie hindurch. Da diese Wellenberge durch die Sonnenflecken beschleunigt werden, können sogar Rückschlüsse über Vorgänge auf der Sonnenrückseite gestellt werden. Dadurch sind bessere Vorhersagen über das Erscheinen von Sonnenflecken möglich. Da große Sonnenflecken auf der erdzugewandten Seite der Sonne zu Störungen im Funkverkehr führen können, ja sogar elektrische Kurzschlüsse verursachen, sind diese Vorhersagen für die Vorbereitung von Sicherheitsmaßnahmen (z.B. für die Besatzung der Internationalen Raumstation ISS) von großer Wichtigkeit.
Von soviel trockener Physik nun zu einem Sternbild, das in diesem Monat leicht aufzufinden sein sollte. Wie immer ist ein wolkenloser Nachthimmel Voraussetzung, und da am 21. des Monats um 15:24 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit Sommeranfang ist, der Tag am längsten und die Nacht am kürzesten, können wir erst ca. gegen Mitternacht das Sternbild Nördliche Krone (Corona Borealis) erfolgreich aufsuchen. Da im Hochsommer der Nachthimmel nicht richtig dunkel wird, soll uns der Mond nicht zusätzlich den Himmel erhellen und ich schlage einen Beobachtungstermin um Neumond vor, der im Juni auf den 11. fällt. Man findet die Nördliche Krone um Mitternacht in südlicher Richtung. Süden ist im Oberland leicht an der Treppe, die zur Paracelsus Klinik hinabführt, zu finden. Hier sind oben auf der Falmmauer Richtungspfeile zu verschiedenen Orten an der Küste eingemauert. Der Pfeil der nach Wilhelmshaven zeigt, markiert recht gut die Südrichtung, von der provisorischen Falmholzwand vor der „Westfalen Schänke“ blickt man über die rechte Einfahrt des Südhafens gen Süden. Auf der Düne findet man die Südrichtung leicht mit Hilfe der Kompassrose, die den Sockel des rot-weißen Oberfeuers Düne (Dünenleuchtturm) ziert. Der Buchstabe „S“ weist nach Süden.
Die Grafik auf der ersten Seite zeigt die Nördliche Krone zwischen den Sternbildern Herkules und Bootes (Rinderhirte). Der Stern Arkturus im Bootes weist uns den Weg zur Nördlichen Krone. Arkturus ist der vierthellste Stern am irdischen Firmament und er steht unübersehbar im Südwesten. Ein wenig links (östlich) von ihm finden wir die Krone, deren hellster Stern den Namen Gemma trägt. Das Sternbild soll die mit Edelsteinen besetzte Krone darstellen, die Bacchus der Ariadne als Hochzeitsgeschenk vermachte und nach ihrem Tode an den Himmel schleuderte. Eine andere Erklärung für dieses Sternbild besagt, dass die Krone der Ariadne von Theseus als Dank für die Rettung aus dem Labyrinth überreicht wurde.
Betrachtet man das Sternbild ein wenig länger, kann man sich sogar vorstellen, wie die Sterne über dem aus 7 Sternen bestehenden, nach oben geöffneten Bogen die Zacken einer Krone bilden, die mit kostbar funkelnden Edelsteinen besetzt sind.
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Thorsten Falke
Die Grafik wurde mit Guide 7.0 erstellt